DDIV Die Stimme
07.03.2016 - News

Immobilienwirtschaft trifft sich auf nationalem Kongress

Am 3. und 4. März 2016 lud das „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ die deutschen Vertreter der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zu einem Kongress unter dem Motto „Mehr bezahlbaren Wohnraum - Gemeinsam packen wir es an“. Das Ziel der Konferenz war es, Möglichkeiten und Strategien zu erörtern, um Wohnungen schneller und kostengünstiger zu bauen, gleichzeitig aber einen gewissen Wohnstandard und die Baukultur der Städte zu wahren. 

Angeführt von der Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Dr. Barbara Hendricks, vereinen sich in dem Bündnis Bund, Länder und Kommunen, Gewerkschaften sowie Verbände und Interessenvertreter der Immobilienbranche. Der DDIV vertritt in diesem Bündnis die Immobilienverwalter.

Mehr Wohnungen benötigt als erwartet

Eines der zentralen Themen war die Zuwanderung und deren Folgen für die Wohnungswirtschaft in Deutschland. Während 2014 ein Neubaubedarf von 275.000 Wohnungen pro Jahr berechnet wurde, werden nun rund 350.000 benötigt. Über den sozialen Wohnungsbau sollen laut Hendricks jährlich rund 80.000 neue bezahlbare Wohnungen bereitgestellt werden. Die Bundesregierung setzt zudem auf eine Sonderabschreibung, um den Wohnungsneubau anzukurbeln. Dies reicht laut Aussage der Immobilienwirtschaft allerdings nicht aus, da der Wohnungsneubau auch für Privatinvestoren attraktiver gemacht werden muss. Die Immobilienwirtschaft plädiert daher für die Erhöhung der Normalabschreibung von 2 % auf mindestens 3 %.

Mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen – aber wie?

Als mögliche Konzepte für Wohnraumgewinnung stellte Ministerin Hendricks unter anderem das „Urbane Gebiet“ vor. Der neue Baurechtstyp reiht sich neben den Gebietsarten Gewerbegebiet, Mischgebiet und Wohngebiet ein. Geplant ist auch, das Gesetz zur technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm weniger streng auszulegen. Als Begründung wurde auf den Widerspruch hingewiesen, der entsteht, wenn Menschen in einem Gebiet mit hoher Lärmverschmutzung leben, aber in diesem kein neues Haus mit besserer Lärmisolierung gebaut werden dürfte.
Hendricks sprach sich außerdem deutlich für das „Aufstocken“ von Gebäuden aus. Dabei werden auf ein bestehendes Haus mit Hilfe der Holzständerbauweise eine oder mehrere Etagen aufgesetzt. Man bekommt so die Möglichkeit, schnell, einfach und preisgünstig neue Wohnungen zu schaffen, da Kosten für den Erwerb des Grundstücks wegfallen. Außerdem fördert dies die Wohnqualität vor allem für Senioren und mobilitätseingeschränkte Bewohner, da Gebäude mit fünf oder mehr Etagen oft über Aufzüge verfügen.

Das 10-Punkte-Programm

Auch das 10-Punkte-Programm des Bündnisses wurde bei dem Kongress diskutiert. In diesem werden unter anderem mehr Bauland und eine gemeinsame, landesübergreifende Bauordnung gefordert. Außerdem beinhaltet das Papier einen Appell des Bündnisses an die deutsche Bevölkerung zu mehr Akzeptanz für Neubauvorhaben.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) mahnte eine schnellere Umsetzung an. Das Bündnis aus den großen sieben immobilienwirtschaftlichen Verbänden, in dem der DDIV die Immobilienverwalter repräsentiert, forderte Hendricks auf, nicht nur einzelne Maßnahmen anzugehen, sondern das ganze Paket umzusetzen, damit eine Wirkung spürbar wird. Die BID fordert zudem eine zeitnahe Umsetzung weiterer Regelungsvorschläge, welche ohne einen komplizierten und langwierigen Gesetzgebungsprozess angegangen werden können, wie beispielsweise eine Verbesserung der KfW-Förderung für den Wohnungsneubau. Die BID ist sich außerdem einig, dass die geplante Reform des Mietrechts die geforderte Wohnungsbau-Offensive nicht negativ beeinflussen darf.


Es bleibt abzuwarten, ob die Ergebnisse dieses Kongresses zu einer zeitnahen Verbesserung der Wohnungslage führen oder ob die bürokratischen Hürden sowie eine fehlende Kooperationsbereitschaft der Partner, den Kongress und seine Ergebnisse wirkungslos verpuffen lassen werden.