DDIV Die Stimme
Immobilienverwalter

Energetische Sanierung in WEG

Scheitert die Energiewende an Eigentümergemeinschaften?

Ziel der Energiewende der Bundesregierung ist ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050. Um dies zu erreichen, müssten jährlich 2 % der bestehenden Gebäude saniert werden.

Die Sanierungsquote von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) jedoch liegt derzeit bei jährlich rund 0,6 %. Dabei besteht gerade bei diesen ein hoher Bedarf an energieeffizienten Modernisierungen. Während in der Gesamtheit 56 % aller deutschen Wohnungen als unsaniert gelten, sind es bei der Eigentümergruppe der WEG 70 %. Der Sanierungsbedarf liegt bei Eigentümergemeinschaften damit um 15 % höher als der bundesweite Durchschnitt.

Da 22 % aller Wohnungen in Deutschland Eigentumswohnungen sind, ist eine erfolgreiche Energiewende ohne die intensive Einbindung von WEG nicht zu stemmen.

Keine Sanierung ohne Verwalter

Eine wichtige Voraussetzung für die Energiewende sind qualifizierte und professionelle Immobilienverwaltungen. Im Rahmen einer ordnungsgemäßen Verwaltung planen sie langfristig und vorausschauend Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen. Zugleich sind sie Multiplikatoren und Lotsen: Sie stoßen entscheidende Sanierungsprozesse in einer WEG an. Die Verwalter informieren und beraten ihre Eigentümer über notwendige Instandhaltungen sowie energetische Sanierungen und koordinieren die in WEG oft langwierigen Abstimmungsverfahren. Zudem weisen sie die WEG auf gesetzliche Vorgaben sowie Förderungs- und Finanzierungsoptionen hin. Während den Baumaßnahmen sind sie Ansprechpartner für Energieberater, Architekten, Ingenieure sowie Handwerksfirmen vom Baubeginn bis zur Abnahme.

WEG müssen stärker in den Fokus rücken

Trotz des hohen Sanierungsbedarfs werden bisher nur rund 6 % des KfW-Förderprogramms „Energieeffizient Sanieren“ an WEG ausgereicht. Eine Umfrage von DDIV und KfW zur energetischen Sanierung ergab, dass über drei Viertel der Verwalter die Möglichkeit energetischer Sanierung in WEG für nicht ausreichend präsent halten.

Oft hemmen ungenügende Anreiz- und Fördersysteme für WEG, fehlende Wertsteigerungsannahmen bei Eigentümern sowie die komplexen Abstimmungsprozesse in WEG den Sanierungsfortschritt. Die aktuelle politische Diskussion um die bevorstehende Mietpreisbremse sowie eine mögliche Begrenzung der Modernisierungsumlage bremsen Sanierungsvorhaben zusätzlich.

Darüber hinaus spielt auch die fehlende Motivation und Qualifikation des Verwalters eine Rolle. Viele sind von der Komplexität von Sanierungsprojekte abgeschreckt. Daher besteht auch hier Nachholbedarf, damit sie die Energiewende im Gebäudebereich voranbringen.

Finanzierungshilfen und Förderprogramme optimieren

Größtes Hindernis von energetischen Sanierungen ist oftmals die Finanzierung. Häufig mangelt es an ausreichend Instandhaltungsrücklagen für umfassende Gebäudemodernisierungen. Das Bankendurchleitungs-Prinzip erschwert zudem die Beantragung von KfW-Krediten. Denn noch immer lehnen viele Banken Kredite für WEG ab. Bei Einzelanträgen der Eigentümer entsprechen die geringen Kreditsummen und die dafür ausgereichten Provisionen nicht den Vorstellungen der Hausbanken. Beantragt eine WEG als Verbund einen Kredit, wird dieser oft mit der Begründung fehlender Sicherheiten abgelehnt. Einzelne Bundeländer haben die Probleme erkannt und inzwischen Förderprogramme eigens für WEG entwickelt. Diese sind jedoch bisher nicht bundesweit verfügbar. Hier gilt es, wirksamere Anreizmodelle und Finanzierungshilfen zu schaffen.

DDIV-Publikation:

Kompendium Energetische Sanierung (2. Auflage)

Kompendium Energetische Sanierung

Das Kompendium informiert umfassend über energetische Sanierungen und ihre Fördermöglichkeiten. Neben hilfreichen Tipps zur Finanzierung werden erfolgreiche Praxisbeispiele vorgestellt. Das Kompendium entstand in enger Zusammenarbeit mit der KfW.

2. Auflage, Februar 2014

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