DDIV Die Stimme
08.07.2015 - News

Verbraucherstreitschlichtungsgesetz kann nicht entsprechend den EU-Vorgaben umgesetzt werden.

Eigentlich sollte das neue Gesetz noch vor der Sommerpause beschlossen werden. Die EU-Umsetzungsfrist jedoch nicht eingehalten werden. Der Bundesrat hat jüngst in einer umfangreichen Stellungnahme den Kabinettsentwurf an vielen Stellen kritisiert und fordert Nachbesserungen. Die Bundesratsausschüsse Recht, Agrarpolitik und Verbraucherschutz, Finanzen, Verkehr und der Wirtschaftsausschuss haben eine gemeinsame über 50seitige Empfehlung zum Gesetzesentwurf verfasst (BR-Drs. 258/1/15). Darin werden auch Punkte, die der DDIV in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf problematisiert hatte, aufgegriffen.

Unter anderem hatte der DDIV darauf hingewiesen, dass es bei länder- oder branchenübergreifenden Streitigkeiten an genauen Zuständigkeitsregelungen fehle. Der Bundesrat sieht das ähnlich und bittet die Bundesregierung, im weiteren Gesetzgebungsverfahren zunächst zu klären, wie Zuständigkeits- und Kompetenzkonflikte geregelt werden können.

Ein weiterer Kritikpunkt des DDIV war die Unklarheit hinsichtlich der Fachkompetenz der zukünftigen Streitschlichter. Die Ausschüsse empfehlen nun, dass dieser Punkt vom Gesetzgeber deutlicher formuliert werden muss. Grundsätzliche Voraussetzung für die Amtsausübung solle nach ihrer Einschätzung das zweite juristische Staatsexamen sein.

Erhebliche Auswirkung auf Teile der Wirtschaft könnte die Empfehlung haben, den Grundsatz der Freiwilligkeit einzuschränken. Für bestimmte Branchen oder Bereiche soll die verpflichtende Einrichtung einer Verbraucherschlichtungsstelle vorgesehen werden. Parameter, aus denen sich eine Verpflichtung ergeben könne, könnten z.B. die Wirtschaftsstärke des Unternehmens, die Anzahl der Abschlüsse von Verbraucherverträgen oder die Anzahl der Verbraucherbeschwerden sein. Dieser Forderung widerspricht der DDIV. Die Freiwilligkeit nicht nur bei der Teilnahme am Schlichtungsverfahren, sondern auch bei der Errichtung von Schlichtungsstelle ist für die Akzeptanz des Verfahrens von erheblicher Bedeutung. Eine Verpflichtung würde das bestehende Rechtssystem erheblich verändern.

Zur Regelung über die Übertragung der Zuständigkeit auf die Länder bei der Anerkennung privater Schlichtungsstellen und die Errichtung einer sog. Auffangschlichtungsstelle haben sich die Ausschüsse ausführlich geäußert. Sie betonen mit Nachdruck, dass nur eine zentrale Anerkennungsstelle des Bundes die einheitliche Handhabung der Zulassungsverfahren gewährleisten kann. Nur eine Auffangschlichtungsstelle auf Bundesebene könne das nötige Fachwissen bündeln, für die notwendige Unterstützung durch Wirtschaftsunternehmen und –verbände werben und eine Rechtszersplitterung verhindern. Außerdem weist der Bundesrat zu Recht darauf hin, dass beim Bundesamt für Justiz bereits eine bundesweite Auffangstelle für Streitigkeiten im Luftverkehr bestehe, die dafür kosten- und zeitökonomisch erweitert werden könne.

Die auch vom DDIV kommentierten Unklarheiten hinsichtlich der Finanzierung der Schlichtungsstellen werden vom Bundesrat in eine Forderung an die Bundesregierung umformuliert, belastbare und mit den Ländern abgestimmte Angaben zum Erfüllungsaufwand und der Kostentragung vorzulegen.

Was für viele Verbraucher schon auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar ist, sorgt auch bei den Ausschüssen für Verwirrung: heißt es nun Schlichtung, Streitbeilegung oder Konfliktbeilegung? Wie stehen Schlichtung und Mediation zu einander und was ist der Unterschied zwischen einem Schlichtungsvorschlag und einem Streitbeilegungsangebot, einer Auffangschlichtungs- und einer Universalschlichtungsstelle? Hier wird dringend die Einführung klarer und abgrenzbarer Begriffe gefordert.

Diese und viele weitere Kritikpunkte stehen der baldigen Einführung des Schlichtungsgesetzes also noch entgegen. Im September ist eine Anhörung im Bundestag vorgesehen.

Der DDIV bleibt bei seiner bisherigen Einschätzung: Für die Immobilienverwalter und den Wohnungseigentümer ist das beabsichtigte Gesetz von geringem Nutzen. Der Verband wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass ein außergerichtliches Streitschlichtungsverfahren nur auf freiwilliger Basis funktioniert und daher von einer verpflichtenden Einführung für die Branche abgesehen wird.


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