DDIV Die Stimme
14.04.2016 - News

Bezahlbares Wohneigentum durch niedrige Zinsen

Bezahlbares Wohnen und Bauen ist ein Dauerbrenner in der aktuellen Politik. Der Fokus liegt dabei allerdings ausschließlich auf Mietwohnungsbau – zu Unrecht, denn eine Studie des IW Köln und der Bausparkasse Schwäbisch Hall zeigt, dass gerade Geringverdiener von den aktuell niedrigen Zinsen profitieren und sich so Wohneigentum leisten können.

Wohneigentum im Schnitt um 30 Prozent günstiger als Kosten für Miete

Im Bundesdurchschnitt liegen die Kosten eines Selbstnutzers rund 30 Prozent unter denen eines Mieters, so die Autoren der Studie mit dem Namen „Implikationen der Niedrigzinsphase für die Wohneigentumsbildung“. Selbst in den viel diskutierten angespannten Wohnungsmärkten der Ballungsgebiete liegt der Kostenvorteil noch bei über 20 Prozent. Basis der Berechnungen ist das sogenannte Wohnnutzerkostenkonzept, das die laufenden Kosten von Wohneigentümern – unter Berücksichtigung der Zinskosten, der Opportunitätskosten, der laufenden Instandsetzungs- und Abnutzungskosten sowie der Grundstückspreisentwicklung einbezieht.

Vor dem Hintergrund unstetiger Erwerbsbiographien besteht hier ein großes Potenzial, um vor allem Geringverdienern zu Wohneigentum und damit auch zu einer sicheren Altersvorsorge zu verhelfen. Die Politik könnte durch geeignete, zielgruppengerechte Maßnahmen so die Eigentumsquote auch von sozial schwächeren Schichten erhöhen. Denn das größte Hindernis für Wohneigentum von Geringverdienern stellt immer noch das aufzubringende Eigenkapital dar, das bis zu 30 Prozent des endgültigen Kaufpreises beträgt.

Förderung mit Kopplung sozialpolitischer Instrumente

Um das aufzubringende Eigenkapital zu verringern, nennt können beispielsweise staatlich garantierte Nachrangdarlehen vergeben werden, die zielgruppengerecht als Eigenkapitalersatz in die Finanzierung einfließen. Dieses Instrument müsste nichtdestotrotz mit Sicherheitsmechanismen ausgestattet sein, um eine Immobilienblase zu verhindern. Das könnte durch sehr geringe Zinskosten und lange Zinsbindungen kombiniert mit hohen Tilgungssätzen erfolgen. Das Nachrangdarlehen könnte an die bereits bestehenden sozialpolitischen Instrumente wie Wohnberechtigungsscheine und damit auch die Einkommenshöhe gekoppelt werden.

Die Studie bestätigt die vom DDIV bereits seit langem vertretene politische Meinung, wonach die Förderung von Wohnungseigentum neu justiert werden muss und der politische Fokus mit seinem Schwerpunkt bezahlbares Wohnen und Bauen nicht nur weitgehend auf kommunale und genossenschaftliche Unternehmen ausgerichtet sein muss.

Die Studie ist unter » www.finanz-und-immobilienmaerkte.de abrufbar.