DDIV Die Stimme
16.11.2016 - News

Versteckte Kosten: ärmere Haushalte vom Immobilienmarkt ausgeschlossen

Grunderwerbssteuer, Notargebühren oder die Kosten für den Grundbucheintrag: die Nebenkosten beim Immobilienerwerb erschweren vor allem ärmeren Haushalten den Zugang zum Immobilienmarkt. Dies zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Wer in Deutschland eine Immobilie für 250.000 Euro kauft, muss zusätzlich mindestens 11.500 Euro bzw. 4,6 Prozent des Kaufpreises einkalkulieren. Je nach Bundesland zahlen Immobilienkäufer zwischen 3,5 und 6,5 Prozent Grunderwerbssteuer, für den Notar fällt etwa 1 Prozent an und auch der Grundbucheintrag ist nicht umsonst: 0,3 bis 0,5 Prozent kommen hier noch zum Kaufpreis hinzu. Die Nebenkosten können – anders als der Kaufpreis – nicht durch Kredite finanziert werden. Dies führt nach Ansicht des IW dazu, dass die eigene Immobilie vor allem für ärmere Haushalte unbezahlbar wird.

Andere Länder, andere Nebenkosten

Das es auch anders geht, wird bei einem Blick über den Tellerrand deutlich: in den Niederlanden oder Großbritannien kommen Hauskäufer mit deutlich geringeren Nebenkosten ins Eigenheim. Niederländische Käufer müssen für ein 250.000 Euro teures Eigenheim demnach nur rund 2,6 Prozent des Kaufpreises für anfallende Nebenkosten einkalkulieren. In Großbritannien fallen sogar nur etwa 1,3 Prozent an.

Das IW Köln empfiehlt nun, sich diese Staaten zum Vorbild zu nehmen. So haben die Niederlande den Notarmarkt dereguliert und die Nebenkosten sind nicht an den Kaufpreis gekoppelt. Auch die Grunderwerbssteuer liegt mit 2 Prozent deutlich unter den deutschen Werten. In Großbritannien fällt erst nach einem Freibetrag von 125.000 Pfund eine Steuer an und die steigt mit dem Kaufpreis.

IW Köln: Grunderwerbssteuer „abstottern”

Um auch ärmeren Haushalten den Immobilienerwerb zu ermöglichen, empfehlen die Kölner Wirtschaftsexperten beispielsweise Immobilienkäufern die die Möglichkeit einzuräumen, die Grunderwerbssteuer über einen Zeitraum von zehn Jahren zu zahlen. Schließlich – so das IW – ist die selbstgenutzte Immobilie eine gute Absicherung für das Rentenalter.

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