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26.06.2017 - News

Neubau: Am Bedarf vorbei

In den großen deutschen Städten fehlen zehntausende Wohnungen – demgegenüber entstehen auf dem Land deutlich zu viele Einfamilienhäuser. Dies zeigt die Baubedarfsanalyse des IW Köln. Um dem Leerstand in den Kommunen wirkungsvoll zu begegnen, regen die Wissenschaftler ein Maßnahmenbündel an. Auch Prognos veröffentlichte neue Zahlen. Demnach wird Wohnen in Deutschland immer mehr zu einer finanziellen Herausforderung.

In Städten wird es eng

Zwischen 2011 und 2015 wurden allein in die sieben größten deutschen Städten nur 32 Prozent der benötigen Wohnungen errichtet. Insgesamt fehlen rund 60.000 Wohneinheiten. Ein Ende der Wohnungsknappheit ist nicht in Sicht. Denn die Baufertigstellungszahlen für 2016 hinken dem Bedarf noch immer hinterher.

Auf dem Land entstehen zu viele Neubauten

Ein ganz anderes Bild herrscht dagegen in ländlichen Kreisen. So sind zwischen 2011 und 2015 allein im Emsland mehr als 1.060 Wohnungen mehr entstanden, als die demografische Entwicklung und der Leerstand erwarten ließen. Dabei handelt es sich zu rund 80 Prozent um große Wohnungen oder Einfamilienhäuser.

Die Ursachen sind vielfältig: Neben den noch immer niedrigen Zinsen, die eine Finanzierung günstiger machen, heben die Wissenschaftler das im ländlichen Raum reichlich vorhandene Bauland hervor. Während es in Großstädten an Bauland mangelt, wird in ländlichen Kommunen Baufläche zumeist großzügig ausgewiesen. Die Folge: Durch die Zersiedlung entstehen mehr Neubauten in Randlagen. Altbauten in den Dorfzentren stehen zunehmend leer und verfallen; Dorfkerne veröden.

Maßnahmenbündel gegen Leerstand

Um dem drohenden Leerstand auf dem Land entgegenzuwirken, regen die Wissenschaftler des IW Köln ein Maßnahmenbündel an. So sollen Kommunen mit starkem Bevölkerungsrückgang keine neue Bauflächen ausweisen und Neubauten nur bei gleichzeitigem Abbau von Leerständen genehmigen. Darüber hinaus müssen Bestandsbauten aufgewertet werden, um auch Dorfzentren langfristig attraktiver zu gestalten. Dies kann jedoch nur in Zusammenarbeit mit Bund und Ländern gelingen.

Prognos-Gutachten: Wohnen wird zur finanziellen Herausforderung

Auch eine aktuelle Studie des Prognos Instituts im Auftrag des Verbändebündnisses Wohnungsbau legt Zahlen vor. Demnach wird auch fernab der Großstädte das Wohnungsangebot knapper und Wohnen immer teurer. Die Gutachter schätzen die Situation in 138 Städten und Kreisen als problematisch ein.

In Folge dessen wird es auch für Familien mit mittlerem Einkommen immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die passenden Zahlen werden in der Studie präsentiert. Demnach können sich Familien mit einem monatlichen Einkommen von 2.186 Euro in den sieben deutschen Top-Städten weniger als 70 Quadratmeter Wohnfläche leisten. Mehr als 35 Prozent des Haushaltseinkommens müssen inzwischen für die Warmmiete ausgegeben werden. Die Bezahlbarkeit des Wohnens wird damit zu einer finanziellen Herausforderung für viele Deutsche.