DDIV Die Stimme
01.08.2017 - News

Desolater Wohngebäudebestand: DDIV unterstützt Reform der Wohnungswirtschaft in Zentralasien / 98 Prozent Wohneigentumsquote

Kasachstan (rund 18 Mio Einwohner und 2 Mio km² Fläche) und seine zentralasiatischen Nachbarn haben einen hohen Modernisierungsbedarf im Bereich der Wohnungsverwaltung.

Die Wohngebäude befinden sich in einem desolaten baulichen Zustand. In Kasachstan gibt es 78.000 Mehrfamilienhäuser (MFH), wovon 35.000 als sogenannte Kondominien (WEG) registriert sind. 20.437 MFH (26 Prozent) müssen dringend saniert werden und rund 70 Prozent der Wohngebäude entsprechen wärmetechnisch nicht dem Stand der Technik. Entsprechend ist der Wohngebäudesektor der zweitgrößte Energieverbraucher (30 Prozent). Insgesamt 40 Prozent der in Kasachstan verbrauchten Wärmeenergie und 22 Prozent der elektrischen Energie entfallen auf den Sektor.

Regierung verordnet Modernisierungsprogramm

Die kasachische Regierung hat 2011 ein ambitioniertes Modernisierungsprogramm für die Wohnungs- und Kommunalwirtschaft aufgesetzt: Von den geschätzten 83.000 Mehrfamilienhäusern im Land sollen 23.000 Gebäude bis 2020 modernisiert werden.

In Kasachstan und Usbekistan liegt die Wohneigentumsquote infolge der Privatisierung städtischer Wohnungen bei sage und schreibe 98 Prozent. Der hohe Anteil an Wohnungseigentum ist das Ergebnis umfassender Privatisierungsmaßnahmen nach der Unabhängigkeit von Russland, bei denen die große Mehrheit der Wohnungen direkt an ihre Bewohner übertragen wurde. In Kasachstan wird aktuell jede zehnte Wohnung von den Eigentümern selbst verwaltet, die meisten obliegen der Verwaltung durch große öffentliche Verwaltungsunternehmen. Die Öffnung und damit stärkere Privatisierung dieses „Verwalter-Marktes“ ist eines der zentralen politischen Ziele.

Letztlich wird die nachhaltige Etablierung starker, effizienter, markt- und wettbewerbsorientierter Wohnungsverwaltungsstrukturen für den Erfolg staatlicher Programme ausschlaggebend sein, umreißt die kasachische Regierung ihr Anliegen.

Projekt PRO HOUSE: Immobilienverwalter schulen

Die EU will hier unterstützen. Am 11. Juli 2017 fand die Auftaktkonferenz des von der EU geförderten Projekts: "PRO HOUSE - Professional Housing Management in Kazakhstan and Uzbekistan" in Astana passend zum Motto der dortigen Expo-Weltausstellung "Energie der Zukunft – Maßnahmen für weltweite Nachhaltigkeit" statt. Ziel des Projekts ist es notwendige Strukturen in den Ländern Kasachstan und Usbekistan zu stärken und Wohnimmobilienverwalter zu qualifizieren, um so den Weg für mehr Energieeffizienz in Gebäuden zu bereiten, denn fachlich qualifiziertes Verwaltungspersonal und informierte Eigentümer sind auch in Zentralasien die relevanten Schlüsselakteure für eine erfolgreiche Umsetzung erforderlicher energetischer Sanierungen im Gebäudebereich.

Aus Deutschland sind neben der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V., die seit über 15 Jahren den Wissenstransfer von West nach Ost im Bereich Wohnungswirtschaft fördert und das EU-Projekt leitet, das Europäischen Bildungszentrum für Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) und der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter e.V. (DDIV) beteiligt. Auf der kasachischen Seite wird PRO HOUSE von der Nationalen Unternehmerkammer „ATAMEKEN“ koordiniert und von dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP Kazakhstan) begleitet. In Usbekistan betreut der Verband der Wohnungsverwalter „ASSOCIATION“ die Aktivitäten.

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